Kompensation Insel Schwarztonnensand

Ein Naturschutzgebiet putzt sich heraus

Die Insel Schwarztonnensand eignet sich besonders gut für die ungestörte Naturentwicklung, weil sie schwer zugänglich ist. Im Rahmen der Kompensationsmaßnahmen für die Fahrrinnenanpassung von Unter- und Außenelbe wird das Naturschutzgebiet deshalb deutlich aufgewertet.

Die Insel war ursprünglich eine Schlickbank in der Elbe. Im Rahmen der Fahrrinnenanpassung von 1968/69 wurde sie mit Sand aufgehöht und bepflanzt, um Sandflug zu verhindern. So entstand eine ca. 160 m² große Insel, die seit 1985 Naturschutzgebiet ist und heute einen wichtigen Lebensraum und Rastplatz für viele Vogelarten darstellt.

Was sind die ökologischen Ziele?

Der Erhaltungszustand des  Lebensraumtyps Ästuarien (LRT 1130) soll verbessert werden.

Dafür sind auf der gut 46 Hektar großen Fläche folgende Maßnahmen vorgesehen:

  • Entwicklung von Tide-Weiden-Auwald im Komplex mit Röhrichten und feuchten Hochstaudenfluren im Inselnorden
  • Entwicklung von Lebensräumen im Inselsüden für Offenbodenbrüter
  • Entfernung standortfremder Gehölze und Sandfangzäunen aus vorhandenen Hecken

Übersicht: Maßnahmen Insel Schwarztonnensand
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Blick über die Insel Richtung Südosten – im Hintergrund ist ein Containerschiff in der Fahrrinne erkennbar. (Foto Jung & Rathjen Filmproduktion)

 Übersicht Kompensationsmaßnahmen

 

Was passiert im Einzelnen auf der Fläche?

Tide-Weiden-Auwald

Die Teilfläche (grün eingefärbter Bereich in der Karte) ist 6,8 Hektar groß. Das entspricht knapp 10 Fußballfeldern.

Eine große flache Mulde mit einem abwechslungsreichen Relief entsteht. Erhebungen bis zu 3 Meter über Normalhöhennull (NHN) wechseln mit kleinflächigen tieferen Senken (bis 1,60 Meter über NHN) ab. Die Böschungen werden flach gestaltet.

Flache Abgrabungen im Südwesten verbessern die Anbindung der Mulde an die Schwarztonnensander Nebenelbe.

Die vorhandenen Auwaldstrukturen am Inselrand werden in diese Maßnahme miteinbezogen.

Auf einer zweiten Fläche (2,3 ha, in der Karte blau eingefärbt) wird das Geländeniveau bis auf eine Tiefe von 0,00 m NHN abgegraben. So entstehen kleine Mulsen, die ständig wasserführend sind. Hier werden u. a. gute Lebensbedingungen für Röhrichte und feuchte Hochstaudenfluren geschaffen, die wichtig für ganz unterschiedliche Insekten und Vögel sind.

Um die Entwicklung der Auwälder zu fördern, werden Weidengruppen angepflanzt (Gehölzinseln). Hierfür sind Korb- und Silberweiden vorgesehen.

Lebensraum für Offenlandbrüter

An der Südostspitze der Insel entsteht eine flache Uferfläche mit Offenboden. Unter Offenboden versteht man nicht oder nur spärlich bewachsenen Boden. Durch Fräsen der Fläche wird der Boden in diesem Zustand gehalten.

Die Teilfläche ist ca. 10 Hektar groß, erstreckt sich ca. 400 Meter lang am Ufer entlang und ist 200 bis 300 Meter breit.

Die Fläche wird vom Ufer flach ansteigend bis auf 2,5 Meter über NHN modelliert. Von dieser Höhe aus steigt das Gelände weiter sehr flach an bis auf 3 Meter über NHN.

Diese Sandfläche ist ideal für Offenlandbrüter, wie z.B. Kiebitz, Austernfischer, Regenpfeifer und Seeschwalbe.

Im Westen der Fläche wird ein Beobachtungsstand („Hide“) errichtet, der es u. a. dem Verein Jordsand ermöglicht, die Entwicklung der Fläche und seine „Gäste“ zu verfolgen.

Aus den gebaggerten Sandböden entsteht in südlicher Nachbarschaft zum Offenbodenareal eine Dünenlandschaft. Die Dünen sollen sich langfristig zu  Graudünen entwickeln.

Begleitende Maßnahmen

Als man auf Schwarztonnensand Ende der 1960er Jahre große Mengen Sand aus der damaligen Fahrrinnenanpassung aufspülte, pflanzte man im Nordteil der Insel Hecken als Windschutz. Im Südteil der Insel wurden Sandfangzäune aus Kunststoff (PVC) gesetzt. Diese mittlerweile weitgehend mit Sand bedeckten Zäune werden nun restlos entfernt.

Auf der Insel wurden, nach der Aufspülung in den 1970er Jahren Bestände der Kartoffelrose gepflanzt. Zusammenhängende Bestände befinden sich an der Vogelwarthütte in der Mitte der Insel sowie an der Nordspitze der Insel. Diese Pflanze ist nach heutiger Sicht eine standortfremde Art und gehört demnach nicht zu dem zu fördernden Lebensraumtyp Ästuarien. Damit sie sich nicht weiter ausbreitet, werden die beiden Bestände auf der Insel Schwarztonnensand gerodet und dauerhaft entfernt.

In der Inselmitte werden zwei Wurten angelegt. Wurten sind Erhebungen, die durch ihre Höhe hochwassersicher sind. Hier auf der Insel Schwarztonnensand dienen sie zur Lagerung von Geräten, Baufahrzeugen usw., die für eventuelle Pflegearbeiten auf der Insel zeitweilig notwendig sind.

Wann finden die Arbeiten statt?

Die gesamte Insel und die Nebenelbe sind Naturschutzgebiet und gehören darüber hinaus zum FFH-Gebiet und zum Vogelschutzgebiet Unterelbe. Gebaut werden darf hier deshalb nur außerhalb der Brutzeiten. Die Arbeiten haben deshalb Anfang Juli begonnen und müssen bis spätestens Ende Februar 2020 abgeschlossen sein. Die wesentlichen Erdarbeiten sollen voraussichtlich bis Ende Oktober dieses Jahres abgeschlossen sein.

Gibt es Beeinträchtigungen durch die Baumaßnahmen?

Von den Bauarbeiten ist vom Elbedeich aus nicht viel sehen, weil das Innere der Insel nicht einsehbar ist. Die Baugeräte werden über den Wasserweg per Fähre zur Insel gebracht. Für den Transport der Mitarbeiter der beauftragten Baufirma wurde ein temporärer Anleger an der Westspitze der Insel errichtet. Dieser Anleger darf nicht von Sportbooten benutzt werden.

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Im Zusammenhang mit der hier beschriebenen Entwicklung der Insel Schwarztonnensand werden 2020 Kompensationsmaßnahmen in der Schwarztonnensander Nebenelbe sowie im Barnkruger Loch durchgeführt.

30. September 2019

Hier werden die Standortbedingungen für Tide-Weiden-Auwald verbessert. Karte: Sweco 2016

Auf der Insel gibt es bereits Tide-Auwald-Bestände (Foto 10.7.2019, WSA)

Die Mulden für den Tide-Auwald werden angelegt (Foto 1.8.2019, WSA)

Lage des Offenbodenareals und der Dünenlandschaft. Karte: Sweco 2016

Das Offenbodenareal im Entstehen (Foto vom 30.7.2019, © Planungsgruppe Grün)

Die Dünenlandschaft wächst (Foto vom 30.7.2019, © Planungsgruppe Grün)

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