Schutzauflagen/Beweissicherung

Umfangreiche Analysen liefern wichtige Erkenntnisse

Gutachten zur Gewässerökologie, z.B. zu Fischen, Wasserpflanzen und Kleinstlebewesen am Gewässergrund, dienen dazu, den Zustand der Tideelbe zu überwachen und mögliche Veränderungen durch die Fahrrinnenanpassung zu registrieren.

Neben Untersuchungen im Zusammenhang mit der  EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sind zahlreiche Gutachter im Rahmen der Fahrrinnenanpassung von Unter- und Außenelbe unterwegs, um die Datengrundlage für das Programm der  Beweissicherung und die Erfüllung besonderer Schutzziele zu ermitteln.

Alle  Gutachter-Berichte sind in der Publikationsdatenbank im Portal Tideelbe online verfügbar und über das jeweilige Stichwort auffindbar.

Was wird untersucht und welche Ergebnisse zeigen die bisherigen Untersuchungen?

Alle bisherigen Berichte erfassen den Zustand vor Beginn der Baumaßnahmen zur Fahrrinnenanpassung und dienen damit als Datenbasis für eventuelle ausbaubedingte Veränderungen in den kommenden Jahren. Die Untersuchungen im Rahmen der Beweissicherung laufen bereits seit 2012 und werden bis 12 Jahre nach Abschluss der Bauarbeiten fortgeführt.

 

Beispiel Finte

Im Finten-Monitoring untersucht die  WSV seit 2011 den Reproduktionserfolg des heringsartigen Fischs in der Tideelbe. Die Art wurde wegen ihrer rückläufigen Bestandszahlen in die  FFH-Richtlinie aufgenommen. Die Untersuchungen zur Laichzeit (April – Juni) im Laichgebiet bestehen aus wöchentlichen Ringnetzproben. Die Gutachter werden hierbei von Elbfischern unterstützt. Der Wasserkörper wird an festgelegten Probenahmestationen sowohl oberflächennah als auch sohlnah mittels Ringnetz „gefiltert“, um die im Wasserkörper vorhandenen Fintenlaichprodukte (Eier und Larven) zu fangen. Begleitparameter wie Temperatur, Salzgehalt und Sauerstoffgehalt des Wassers fließen in die Analyse mit ein.

Die Ergebnisse zeigen deutlich unterschiedliche Zahlen von  Finteneiern und -larven in den verschiedenen Jahren. Nachdem die Zahlen im ersten Untersuchungsjahr 2011 sehr hoch lagen, gingen sie in den Folgejahren zurück bis zu einem bisherigen Allzeitminimum im Jahr 2014. In den Folgejahren 2015–2017 stiegen die Zahlen dann wieder an.

In den bisher untersuchten Frühjahren weichen die Laichzeiten nur wenig voneinander ab. Im Untersuchungsgebiet (Elbkilometer 643) sind Laichprodukte zwischen Ende April bis Anfang Juni zu finden, das Maximum um Mitte Mai. Abhängig von den herrschenden Temperaturen können sich Beginn und Zeitpunkt der höchsten Laichaktivität um bis zu zwei Wochen verschieben.

 

Wie bewerten die Gutachter die unterschiedlichen Zahlen?

Die Wassertemperatur ist unstrittig für den Beginn der Laichzeit und auch für den Erfolg der Laichtätigkeit mitentscheidend. Die Finte laicht erst bei Temperaturen um 12 °C. Der in diesem Zeitraum gemessene Sauerstoffgehalt liegt überwiegend im unkritischen Bereich, so dass eine Entwicklung der Ei- und Frühlarven gewährleistet ist.

Der  Oberwasserabfluss unterscheidet sich in den einzelnen Jahren stark. Bisher ist aber nicht klar, inwieweit ein geringer Oberwasserabfluss direkten Einfluss auf Laichbeginn und Entwicklung der Fintenbrut gehabt haben könnte. Eine Rolle für die Larvenentwicklung spielt auch das Nahrungsangebot (v.a. kleine Krebse ). Es wird daher mit untersucht.

Fintenei- (oben) und Larvenanzahlen (unten) von 2011–2017 bei km 643 in der Tideelbe.

Quelle: Bioconsult, Zeitliche und räumliche Verteilung von Fintenlaichprodukten in der Tideelbe, Untersuchung 2017, November 2018, S.65

Entwicklung der Finteneidichte (Individuen/100 m³) im Zeitraum Mitte/Ende April bis Anfang Juni in den Jahren 2011-2017.

Quelle: Bioconsult, Zeitliche und räumliche Verteilung von Fintenlaichprodukten in der Tideelbe, Untersuchung 2017, November 2018, S.68

 Finten-Gutachten in der Publikationsdatenbank.

Beispiel Makrophyten

Anhand der Untersuchungen der Wasserpflanzenbestände wird versucht, eventuelle Abhängigkeiten von Salzgehaltsveränderungen zu bestimmen. Das Untersuchungsprogramm läuft bereits seit 2008, um „natürliche“ von möglichen ausbaubedingten Veränderungen unterscheiden zu können. Zu den Makrophyten zählen alle „großen“, d.h. mit dem Auge erkennbaren, Wasserpflanzen, so z.B. die Sumpf-Dotterblume und die Brunnenkresse. Die Pflanzen reagieren sensibel auf den Salzgehalt des Wassers und sind damit ein Indikator für Veränderungen dieser Parameter. Ihre Bestände werden deshalb sowohl im Zusammenhang mit der WRRL als auch im Rahmen der Fahrrinnenanpassung regelmäßig untersucht.

Die Makrophyten an den sechs regelmäßig im Mai und August untersuchten Standorten (je drei am niedersächsischen und am schleswig-holsteinischen Ufer) befanden sich 2008 alle in einem „mäßigen“ Zustand. Bis zum Jahr 2018 hat sich der Zustand an drei Standorten auf „unbefriedigend“ verschlechtert. Als mögliche Ursachen nennen die Gutachter

  • die Beweidung von Tideröhrichten bei Niedrigwasser sowie
  • die Verdrängung von Wasserpflanzen durch Landpflanzen (terrestrische Vegetation) auf verlandeten Flächen (Sukzession).

Im Gesamtzeitraum 2008-2018 zeigten sich bezogen auf den Standortfaktor „Salz“ bisher keine deutlichen Veränderungen in der Artenzusammensetzung. Als leichter Trend ist eine Abnahme von Süßwasserarten hin zu Arten, die eine leichter Versalzung ertragen können, festzustellen.

Zur Untersuchung der Makrophytenbestände werden einmal im Jahr Befliegungen mit Drohnen durchgeführt. Anhand der Luftbilder lässt sich die Veränderung der Uferbereiche gut nachvollziehen. Hier z.B. in Bielenberg breitet sich Schilf aus und verdrängt flache Vegetation (links August 2018, rechts August 2019).

Quelle: STZ-Geoinformatik Rostock, Bericht UAS-Bildflüge Makrophytenmonitoring 2019, S.10

Probestelle L2 am Freiburger Außendeich bei Niedrigwasser im Sommer 2018. Foto: Gabriele Stiller

 Makrophyten-Gutachten in der Publikationsdatenbank.

Beispiel Makrozoobenthos

Um beurteilen zu können, ob und ggf. wie sich die Vertiefungs- und Verbreiterungsarbeiten auf die am Gewässerboden lebende tierischen Kleinorganismen (Makrozoobenthos) auswirken, untersuchen Gutachter bereits seit 2013 regelmäßig im Frühsommer (Juni) ein Schrägprofil zwischen Schwarztonnensand und Kollmar – ergänzend zu dem Messnetz mit sieben Profilen in der Tideelbe, die im Rahmen des WRRL-Monitorings der Länder (Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen) beprobt werden.

Ausschnitt aus der Übersicht über die Untersuchungsstellen zum Makrozoobenthos (grau = WRRL-Monitoring, grün = Fahrrinnenanpassung)

 Makrozoobenthos-Gutachten in der Publikationsdatenbank.

Die hier geleistete beispielhafte Betrachtung der gewässerökologischen Untersuchungen im Rahmen der Fahrrinnenanpassung von Unter- und Außenelbe kann notwendigerweise nur Einzelaspekte aufgreifen und deshalb nie so differenziert sein wie die eigentlichen Gutachten. Bei weitergehendem Interesse an den hier angerissenen Themen ist ein Blick in die Originaldokumente in der  Publikationsdatenbank im Portal Tideelbe deshalb unverzichtbar.

Mai 2020

Auch die Miesmuschelbestände wurden im Rahmen der Fahrrinnenanpassung gutachterlich untersucht.

 Miesmuschel-Gutachten in der Publikationsdatenbank.

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